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Kinder

Die CI-Versorgung ist eine Therapie, die eine lebenslange Betreuung in der Regel durch die implantierende Klinik und ein CI- Nachsorge Zentrum verlangt. Die Nachsorge dient der medizinischen und technischen Kontrolle und Beratung sowie der Überprüfung der Hör-, Sprech-, und Sprachleistungen einschließlich der Dokumentation mit dem Ziel der Optimierung der individuellen Kommunikationsfähigkeit (ADANO, Deutsche Gesellschaft für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde, November 2001). Das CIK bietet ein sogenanntes ambulantes Nachsorgekonzept für die Patienten an. Die Kinder erhalten regelmäßige Anpasseinheiten und Therapien über einen Zeitraum von drei Jahren. So besteht die Möglichkeit die technische Nachsorge sowie die auditiv verbale Therapie in den Ablauf der familiären Verpflichtungen einzubinden. Bisher werden zwei Organisationsmöglichkeiten der Nachsorge in Anspruch genommen:
 

  1. wöchentliche Nachsorge
  2. Behandlungstage
     

Tag der Erstanpassung

  • Vorstellung bei dem Pädaudiologen
  • Vestibularisdiagnostik (ab Schulalter)
  • Erstanpassung
  • Einweisung in das CI-System
  • Terminierung der Folgetermine


 

 

Hör- Sprachtherapeutische Maßnahmen und (Re-)Habilitation der frühkindlichen Taubheit mit Cochlea Implantaten

Im Kölner Cochlear Implant Centrum (CIK) werden Babys, Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche sowie erwachsene Patienten behandelt. Auftrag und vertragliche Vereinbarung ist die Anbahnung und Förderung der Kommunikation in gesprochener Sprache und damit Integration CI - versorgter Kinder in unsere Gesellschaft.
Dabei ist die enge Zusammenarbeit mit Eltern und fördernden Institutionen (Frühförderzentren, Schulen) mit dem Ziel der individuellen Anpassung der Förderkonzepte an die Bedürfnisse der Kinder die leitende Prämisse.

Anpassung des Sprachprozessors

Die Erst- und Feinanpassung des Sprachprozessors, die meist 4 - 5 Wochen nach der Operation beginnt, kann in Abhängigkeit von Alter und Mitarbeit des Kindes an mehreren Terminen in der ersten Woche stattfinden. In der Regel sind in den ersten vier Wochen regelmäßige Anpasstermin gemeinsam mit dem zuständigen Therapeuten vorgesehen. Neben der Bestimmung der Hörschwellen findet eine kontinuierliche Einweisung in das CI-System statt. Danach erfolgt die Feinpassung monatlich, dann einmal im Quartal bis zum Ende der Habilitationsphase. Sobald der Patient aus der intensiven Rehabilitationsphase entlassen wird, müssen regelmäßige lebenslange Kontrollen des CI-Systems mindestens jährlich stattfinden. In manchen Fällen ist es medizinisch, audiologisch und pädagogisch indiziert, dass eine Verlängerung der Nachsorge beantragt wird. Das ist vor allem der Fall bei entwicklungsverzögerten, kranken oder zusätzlich behinderten Kindern und psychosozial belasteten Familien.

Hör- und Sprachtherapeutisches Konzept

Das therapeutische Nachsorgekonzept des Cochlear Implant Centrums wird mit der Familie individuell abgestimmt.
Besonders zu Beginn der Habilitationsphase findet eine intensive Hör- und Sprachtherapeutische Behandlung statt. Ein Therapietermin pro Woche erstreckt sich über einen Zeitraum von 2 - 3 Jahren.

Die Therapie beinhaltet:

  • Auditiv-Verbale Therapie
  • Aufbau des auditiven Gedächtnisses
  • Intensive Elternanleitung sowie -begleitung
  • begleitende Entwicklungsdiagnostik
  • Evaluation der Hörentwicklung
  • Evaluation der Sprachentwicklung
  • Regelmäßige Sprachprozessoranpassung


Erstversorgte Kinder bis zwei Jahre

Es ist die Philosophie des CIK vor allem in den ersten 18 Monaten des kindlichen Spracherwerbs vor allem den hörgerichtet Weg zu beschreiten. Nach dieser Zeit hat das Kind in der Regel die präverbalen Stadien des Spracherwerbs durchlaufen und bildet die ersten Wörter. Hier steht im Mittelpunkt die natürliche Interaktion der Eltern mit ihrem Kind. Die Erweiterung des rezeptiven und expressiven Wortschatzes sowie das Hervorlocken erster Ein- bis Zweiwortsätze stellen Schwerpunkte in der therapeutischen Arbeit dar.

Kinder, die mit einem CI nach dem zweiten Lebensjahr versorgt werden

In dieser Altersstufe stellt sich heraus, ob sich der Spracherwerb bei Hörgeräteversorgung gut einstellt. Vor allem die auditive Wahrnehmung und das daraus entstehende Sprachverstehen ist eines der Beobachtungskriterien, das für eine CI- Versorgung sprechen kann. Die meisten Kinder sind daher keine Höranfänger und zeigen, sobald der Sprachprozessor gut eingestellt ist, erfreuliche Fortschritte.
Eine andere Gruppe der Kinder, also Höranfänger, benötigen in jedem Fall 12 - 18 Monate, bis erste Silben produziert werden und darüber hinaus rezeptives Sprachverstehen beginnt.

Wir stellen fest, dass die meisten Kinder in die vorschulischen Einrichtungen der Schulen für Hören und Kommunikation eingebunden sind. Durch die Unterteilung in Sprachlerngruppen haben die Kinder einen Zugang zu multimodal arbeitenden hörgeschädigtenspezifischen Ansätzen.

Die Nachsorge im CIK konzentriert sich deshalb vor allem auf den Aufbau auditiver Gedächtnisstrukturen, wobei die Hörschwellenbestimmung in enger Zusammenarbeit zwischen den Pädagogen/ Logopäden und anpassenden Ingenieuren stattfindet.

Schulkinder (6 - 12 Jahre)

Die Inhalte der therapeutischen Arbeit liegen vor allem im Bereich des phonologischen Bewusstseins, der Gesprächserziehung, sowie im Sprech-, Sprach -, und Lesesinnverständnis. In dieser Altersstufe wird das vorhandene auditive Gedächtnis ausgebaut mit dem Ziel morphologisch - syntaktische Strukturen zu erweitern und zu ergänzen.

Der auditiv - verbale Ansatz gepaart mit logopädisch / sprachheilpädagogischen Arbeitsweisen soll die jungen Patienten auf dem weiteren Spracherwerb unterstützen.
Die Eltern begleiten den Weg, indem sie vor oder nach der Therapie angeleitet und beraten werden, geübte Inhalte in der Alltagssprache umzusetzen.

Jugendliche

Manche Hörschädigungen nehmen einen progredienten Verlauf, sodass die medizinische Indikation für eine CI Versorgung gegeben sein kann. In der Regel haben diese Jugendlichen einen abgeschlossenen Spracherwerb. Typischerweise bestehen audiogen bedingte phonologische Störungen vor allem der im hohen Frequenzbereich liegenden Lauteverbindungen.

Die Gewöhnung an den neuen Höreindruck, Umgangsweise mit der Technik, Hörtraining sowie kommunikative Strategien im Alltag stellen einige Inhalte der therapeutischen Arbeit dar. In Einzelfällen und nur bei ausdrücklichem Wunsch zur Operation erhalten manche Jugendliche ein CI, obwohl Lautsprache nicht das primäre Kommunikationsmittel ist. Der sinnvolle Nutzen der verbesserten Hörwahrnehmung für das Lesesinnverständnis, aber auch die Orientierung in einer neuen Welt der Geräusche sind zunächst Therapieschwerpunkte.

Elternanleitung / -begleitung

Einen entscheidenden Baustein der Kölner Habilitation bildet die Elternanleitung bzw. - begleitung. Ohne die Mitarbeit der Eltern oder Erziehungsberechtigten kann die Nachsorge gehörlos geborener Kinder und Babys nicht Erfolg versprechend verlaufen. Die intuitiven Fähigkeiten der Eltern (Papousek) tragen im Nachsorgeprozess wesentlich dazu bei, dass Kinder die Hörprothese akzeptieren, Stimmen, aber zunächst insbesondere die prosodischen Elemente der "Elternsprache" wahrnehmen und kennenlernen können. Der Austausch zwischen Therapeuten und Eltern bildet die Grundlage für die sinnvolle inhaltliche Planung der Therapiesitzungen. Die Eltern stellen wichtige " Rollenmodelle" für Gesprächsstrukturen dar. Sie handeln als Vermittler und sollen zu "Experten" ihrer Kinder werden. Aus diesem Grund nehmen sie an den Therapiesitzungen teil. Gegen Ende tauschen sich die Eltern mit den Fachleuten über die gemeinsamen Inhalte aus, um die nächsten Ziele zu vereinbaren. Ebenso wie der Dialog mit dem Kind von großer Bedeutung für die weitere sprachliche Entwicklung ist, so ist auch der Dialog mit den Eltern eine wesentliche Methode, um die Inhalte der Therapie und deren Ziele auch inhaltlich zu vergleichen.

Auditiv Verbale Therapie

Die meisten Kinder, die sich in der Nachsorge des CIK befinden, sind prälingual ertaubt. Aus diesem Grund befinden sie sich in der Regel noch in der Phase des Spracherwerbs, sodass eher von einer Habilitation im Sinne von Beginn der Hörwahrnehmung zu sprechen wäre. Das erste Ziel der Habilitation, die sich in der Regel über drei Jahre erstreckt, ist es den Hör- und Spracherwerb, die auditive Rückkopplungsschleife (auditory feedback loop, Estabrooks, 1998) durch Stimulierung der Hörbahn aufzubauen.

Kommunikative Entwicklung

Die "Münchener kommunikative Entwicklungsdiagnostik" ist der Baustein, um insbesondere mit sehr jung implantierten Kindern und ihren Eltern zu arbeiten.
Responsivität, Blickkontakt, Sprachverhalten und Sprech-/ Sprachfreude in angemessener Abstimmung zum Kind tragen erheblich zu einer freudvollen Kommunikation bei.

Kinder, die mit einem CI versorgt sind, verhalten sich anders, sie reagieren nicht oder noch nicht angemessen auf die mütterliche/ väterliche Ansprache. Das kann zu Irritationen führen.

Während der therapeutischen Intervention ist es zunächst von großer Bedeutung, den Eltern zuweilen sehr diskrete Hörreaktionen ihres Babys zu zeigen. Die Familienangehörigen werden somit motiviert, weiterhin mit den Kindern zu sprechen oder das Reden zu beginnen.

Über das CI wird Hören möglich, doch obwohl das Kind schon älter ist, braucht es die Prosodie der elterlichen Sprache, damit wichtige Strukturen für die spätere Hör- und Sprachentwicklung ausgebildet werden.

Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen

In Köln und Umgebung befinden sich viele Einrichtungen für Menschen mit einer Hörschädigung, die bereits seit vielen Jahren kooperativ mit der HNO-Klinik zusammenarbeiten. Die wenigsten Kinder, die an Taubheit grenzend hörgeschädigt geboren sind, werden nach drei Jahren Habilitation mit voller Hör- und Sprachkompetenz aus dem CIK entlassen. Aus diesem Grund ist ein funktionierendes Netzwerk für die weitere psychosoziale Entwicklung von großer Bedeutung. Von diesem Netzwerk profitieren die Kinder, die ein CI erhalten. Nach der Phase der Nachsorge, teilweise auch begleitend, erhalten die Kinder spezifische Dienste durch die Frühförderung, die Schulen und die ambulanten Dienste.

Zusätzliche Angebote

  • Musiktherapeutische Nachmittage
  • Elterncafé
  • Fort- und Weiterbildung der freiberuflichen sprachtherapeutischen/logopädischen Praxen mit Schwerpunkt Sprachaufbau bei hörgeschädigten Kindern oder Audiotherapie bei erwachsenen Patienten
  • Veranstaltung der Kölner Cochlear Implant Gesellschaft e. V. am 3. Kölner CI-Tag
  • Kunstprojekt von CI-Kindern für CI-Kinder
  • Parcours der Sinne
     

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